100 Jahre für eine gerechte Arbeitswelt

Der Aufstieg
einer Idee

Ein Fortschritt in der Entwicklung unseres Staatswesens Abgeordneter Tebelmann, Bürgerschaftssitzung 19. Februar 1902

Der Maurer und Sozialdemokrat Sanders stellt 1888 den ersten Antrag zur Gründung einer Arbeiterkammer.

Die Sorge der konservativen Parteien: Die Errichtung einer Arbeiterkammer würde zu einer „schrecklichen Revolution“ führen (1899).

Das Stellengesuch für den Posten eines Arbeitersekretärs in der Bremer Bürger-Zeitung (BBZ) am 12. November 1899

Errichtung des Bremer Arbeitersekretariats, 1900

Einen ersten Schritt auf dem Weg zur Gründung einer Arbeiterkammer stellt die Errichtung des Bremer Arbeitersekretariats dar. Es nimmt im Februar 1900 unter der Leitung von Friedrich Ebert seine Arbeit auf. Durch sozialpolitische Beratung, die Durchführung von Studien zur Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter in Bremen sowie Politikempfehlungen soll ein Brückenschlag zwischen parteilicher und gewerkschaftlicher Arbeit geschaffen werden.

1903 kommt es zu mehreren Massenstreiks auf den Bremer Werften und im Baugewerbe.

1912 taucht in der Bremischen Bürgerschaft erstmals auch die Forderung nach einer Angestelltenkammer auf.

Friedrich Ebert

Friedrich Ebert stellt Antrag zur Gründung einer Arbeiterkammer

Als Abgeordneter der Bürgerschaft stellt Friedrich Ebert im April 1901 einen Antrag zur Gründung einer Arbeiterkammer. Enthalten sind bereits konkrete Vorstellungen zum Arbeitsfeld und zur personellen Zusammensetzung. Die Aufgaben: arbeitsrechtliche und soziale Gutachten zur Lage der Arbeiterschaft, den Senat und Verwaltungsstellen auf Missstände hinweisen sowie die Kommentierung von Gesetzen, die die Arbeiterschaft betreffen. Damit schafft Ebert die Grundlage für die Arbeiterkammer, wie sie 20 Jahre später gegründet wird.

Novemberrevolution in Bremen 1918: Als sich die materiale und militärische Lage zunehmend verschlechtert, proben Bremer Arbeiterinnen und Arbeiter den Aufstand.

Anfang 1917 entstanden die ersten Grundzüge eines Gesetzesentwurfs über die Arbeiter- und Angestelltenkammer.

In den Zeitungen finden sich zahlreiche Aufrufe zur Arbeitsniederlegung

Teils heftige Streikbewegungen bestimmen das öffentliche Leben in Bremen

Das gesellschaftliche Leben in Bremen ist Anfang des 20. Jahrhunderts von teils heftigen Streikbewegungen geprägt. Die Bevölkerung, v. a. die Bremer Arbeiterschaft, kämpft für soziale Veränderungen, d. h. mehr Mitbestimmungsrechte und bessere Lebensbedingungen. Es kommt zu großen Streikwellen 1903, 1913 und 1918/19. Durch den Druck auf der Straße ist die Politik gefordert, Maßnahmen für soziale Verbesserungen zu schaffen. Erneut wurde die Kammeridee als eine Interessenvertretung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Bürgerschaft diskutiert.

1919 fordert die Bremer Verfassungskommission eine Arbeiter- und Angestelltenkammer.

Begründung für die Trennung in eine Arbeiter- und eine Angestelltenkammer: Nur so könne verhindert werden, dass die Angestellten nicht dem von Arbeitern vorgetragenen „Terror der Andersdenkenden“ ausgesetzt werden.

Die Verfassung der Freien Hansestadt Bremen vom 18. Mai 1920

Beschluss einer Bremer Verfassung 1919

Trotz der instabilen politischen Lage kommt es 1919 zum Entwurf einer Bremer Verfassung, in den erstmalig auch Angestellten- und Arbeiterkammer aufgenommen sind. Hierin wird auch begründet, warum für Angestellte sowie Arbeiterinnen und Arbeiter getrennte Kammern vorgesehen sind: Die Angestelltenverbände stehen einer Zusammenlegung aufgrund von ideologischen Differenzen ablehnend gegenüber. Mit dem Beschluss der Bremer Verfassung ist der Weg für die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung beider Kammern schließlich bereitet.

Einige Vorstellungen Eberts von 1902 werden im Kammergesetz von 1921 aufgegriffen.

Der Bürgerschaftssaal in der Neuen Börse, 1926

Beschluss des Kammergesetzes

In der Ausarbeitung des Gesetzes für die Angestellten- und die Arbeiterkammer finden sich auch Elemente des Entwurfs von Friedrich Ebert aus dem Jahr 1902 wieder. Hauptaspekte sind die Art der Zusammensetzung der Kammern, ihre spezifische Aufgabenbeschreibung, die Finanzierung und das Kammerwahlrecht. Eine Streitfrage bildet die Formulierung zum Ausschluss eines politischen Auftrags der Kammern. Am 8. Juli 1921 wird das Gesetz für die Angestellten- und Arbeiterkammer schließlich verabschiedet.

Von der Idee zur Tat

Ein Augenmerk auf die wirtschaftliche und kulturelle Förderung

Am 27. Dezember 1921 findet die konstituierende Sitzung der Arbeiterkammer, am 16. Januar 1922 die der Angestelltenkammer statt.

In der Gründungsphase arbeiten bei der Arbeiterkammer vier Festangestellte, bei der Angestelltenkammer sechs.

Das erste Kammergesetz zur Errichtung einer Arbeiter- und einer Angestelltenkammer, 1921

Beschluss des Arbeiter- und Angestelltenkammergesetzes, 17. Juli 1921

Mit dem Beschluss des Arbeiter- und Angestelltenkammergesetzes durch die Bürgerschaft wird am 8. Juli 1921 die gesetzliche Grundlage für beide Kammern geschaffen. Damit werden sie die ersten institutionellen Interessenvertretungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bremen. Ein gutes halbes Jahr später beschließen sie ihre jeweilige institutionelle Organisation in Form von Vollversammlung, Fachausschüssen und Kammerbüro.

In Fachausschüssen erarbeiten die Kammern in den 1920er Jahren Gutachten und Eingaben zur Förderung wirtschaftlicher und kultureller Interessen ihrer Mitglieder.

1924 beginnen die Arbeitnehmerkammern mit der Rechtsberatung.

„Zentrum der politischen Macht“ – Bremer Rathaus um 1922

Phase der institutionellen Selbstbehauptung, 1921 - 1925

Die Zeit zwischen 1921 und 1925 ist für die Arbeiter- und die Angestelltenkammer prägend für ihr Selbstverständnis und ihre Außenwirkung. Zu klären sind unter anderem Fragen der Finanzierung über staatliche Zuschüsse und Beitragsfinanzierung. Auf dem politischen Parkett sind die Kammern zunächst zwar geduldet, doch versucht man, ihnen so wenig Einflussnahme wie möglich zu gestatten. Mit Beharrlichkeit und Kompromissbereitschaft gewinnen die Kammern in diesen Jahren an Profil.

Kern der beruflichen Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder ist die ab 1924 eingerichtete Auslandsschule der Angestelltenkammer.

Die Kammern dokumentieren ihre Arbeit in Form von Tätigkeitsberichten. Diese werden auch genutzt, um politisch Stellung zu beziehen.

Sitzverteilung nach den Wahlen zur Vollversammlung der Arbeiterkammer 1921, 1925 und 1931

So setzen sich die Vollversammlungen der Arbeiter- und der Angestelltenkammer zusammen, 1921 – 1931

Bei den Wahlen zur Vollversammlung der Arbeiterkammer hat stets der sozialdemokratisch ausgerichtete Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) die Mehrheit der Sitze. In der Vollversammlung der Angestelltenkammer schwanken die Mehrheitsverhältnisse dagegen. Vertreten sind der sozialdemokratisch orientierte Allgemeine freie Angestellten-Bund (AfA-Bund), der liberale Gewerkschaftsbund der Angestellten (GdA), der rechts der Mitte stehende Gesamtverband der deutschen Angestelltengewerkschaften (Gedag) und der extrem rechte Deutschnationale Handlungsgehilfenverband (DHV).

1923 sind die finanziellen Schwierigkeiten der Arbeiterkammer so groß, dass sie sich nicht einmal mehr Mahnschreiben an ihre Mitglieder leisten kann.

Im Rahmen der Mietpreisaffäre von 1924 gehen Arbeiter- und Angestelltenkammer geschlossen gegen die vom Senat verordnete Mietpreiserhöhung vor.

Volkshaus Bremen, Standort der Kammern

Arbeiter- und Angestelltenkammer nehmen ihre Regeltätigkeit auf, ab 1925

Ab 1925 widmen sich die beiden Kammern ihrer Regeltätigkeit. Hierzu gehören vor allem gutachterliche Aufgaben und Eingaben zu den Themen Arbeitslosenfürsorge, Arbeitszeitregelungen und Arbeitsschutz. Diese werden in Fachausschüssen ausgearbeitet. Darüber hinaus ist vor allem die Arbeiterkammer in der Rechtsberatung sehr aktiv. Der Bereich der Bildungsarbeit beider Arbeitnehmerkammern umfasst wissenschaftliche Fachvorträge zu sozialen und wirtschaftlichen Themen, Führungen und Besichtigungen sowie die Einrichtung von kammereigenen Bibliotheken.

Schiffszimmerleute bei der Arbeit in der Werft um 1930

Stellungnahme zu Arbeitszeit- und Arbeitsschutzmaßnahmen, ab 1926

Auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene kommen die Kammern ihrer Aufgabe einer Interessenvertretung im Bereich von Arbeitszeit- und Arbeitsschutzmaßnahmen nach. Sie nehmen Einfluss durch Stellungnahmen zur Regelung der Polizei- bzw. Sperrstunde und der Sonntagsruhe sowie zu berufsspezifischen Schutzmaßnahmen, z. B. in der Zigarrenindustrie. Auf nationaler Ebene wirken sie selbstbewusst bei der Schaffung eines reichseinheitlichen Arbeitsschutzgesetzes mit.

 

Nach einer Haushaltsprüfung Ende 1931 lehnt der Senat den Antrag der beiden Kammern auf staatliche Zuschüsse ab.

„Ich bin gelernte Stenotypistin, stellungslos, suche Beschäftigung ganz gleich welcher Art“ – aufgenommen 1930 in Berlin

Die Kammeraktivitäten unter Einfluss der Weltwirtschaftskrise, 1929

Durch die stark ansteigende Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und den daraus folgenden fehlenden Beitragszahlungen stellt sich den Kammern abermals die Frage der Finanzierung. Zudem veranlasst die Verschlechterung der sozialen Lage in Bremen die Arbeitnehmerkammern dazu, neben Rechtsberatung sowie beruflicher Umschulung und Weiterbildung von Betroffenen, vermehrt finanzielle Hilfeleistungen bereitzustellen.

Die Idee wird zerstört

Hier ist es für Sie zu Ende. Wenn Sie nur das Geringste unternehmen, werden Sie sofort wieder verhaftet. Mitteilung an Wilhelm Schneider, Rechtsberater der Arbeiterkammer, 6. Juli 1933

1930 wird die NSDAP zweitstärkste Partei in der Bürgerschaft. Die Kammern verlieren zusehends die politische und gesellschaftliche Grundlage ihres Handelns.

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.

Ohne Rückendeckung der Polizei, die nun unter Kontrolle der NSDAP steht, muss der Bremer Senat am Abend des 6. März 1933 zurücktreten.

Karl Hermann Otto Heider wird erst Senatskommissar, dann Senator für das Arbeits-, das Wohlfahrts- und das Medizinalwesen

Arbeiter- und Angestelltenkammer unter nationalsozialistischer Herrschaft, ab 1933

Im Zuge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 werden beide Kammern anhand eines Gesinnungsprotokolls auf unliebsame Personen durchleuchtet und diese aus dem Dienst entlassen. Den Auftrag dazu gibt der zuständige Senator Karl Hermann Otto Heider. Deren Stellen werden anschließend mit linientreuem Personal besetzt. Für die Angestelltenkammer ernennen die Nationalsozialisten Karl Westermann zum geschäftsführenden Syndikus, in der Arbeiterkammer übernimmt August Hogrefe diese Position.

Auf NS-Befehl wird am 8. März 1933 das Bremer Volkshaus durchsucht, unter dessen Dach sich auch die Räumlichkeiten der Arbeiterkammer befinden.

Der Vorstand der Bremer Angestelltenkammer beschließt am 22. März 1933 den gemeinsamen Rücktritt.

Bremer Rathaus mit Hakenkreuzfahne

NSDAP-Zugehörigkeit als Voraussetzung für Kammertätigkeit, 1933

Unter neuer Leitung werden Arbeiter- und Angestelltenkammer inhaltlich rasch entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie umstrukturiert. Dies zeigt sich auch anhand der neuen Kammergesetze, die bereits am 20. September 1933 durch Reichstatthalter Carl Georg Röver erlassen werden. Durch diese wird ein hierarchisch angelegtes Herrschaftsprinzip eingeführt. Die Zugehörigkeit zur NSDAP ist nun Grundvoraussetzung, um in einer der beiden Kammern wirken zu können.

Ende März 1933 werden die Syndizi Oskar Schulze (Arbeiterkammer) und Ludwig Hammerschlag (Angestelltenkammer) ohne Angabe von Gründen beurlaubt.

Im November 1933 wird die “Erziehungsarbeit im nationalsozialistischen Sinne” als neuer Aufgabenschwerpunkt der Angestelltenkammern festgelegt.

August Hogrefe

August Hogrefe: Hauptakteur der Arbeiterkammer mit umstrittener Geschichte

August Hogrefe ist eine umstrittene Figur in der Geschichte der Arbeiterkammer. 1930 tritt er der NSDAP bei – angeblich, um die Partei von innen heraus zu zersetzen. Als geschäftsführender Syndikus und späterer Präsident der Arbeiterkammer fällt er jedoch durch Linientreue auf. Nach Kriegsende werden ihm Opportunismus, Menschenfeindlichkeit und persönliche Vorteilsnahme vorgeworfen. Aber es gibt auch Zeitzeugen, die seine Widerstandsgeschichte bestätigen. Hogrefe wird 1948 aufgrund seiner Rolle im NS-Apparat angeklagt, jedoch 1949 von der VI. Berufungskammer in Bremen freigesprochen.

Knapp ein Jahr nach der Ausgliederung verfügt August Hogrefe im Januar 1934 aus taktischen Gründen, die Rechtsberatung wieder als Kammerarbeit zu integrieren.

Auf der Bürgerweide wird im Juni 1934 die Braune Hansa Messe eröffnet. Hier präsentieren verschiedene Wirtschaftszweige ihre Arbeit und Erzeugnisse.

Illustration aus dem Berufsbildungsplan 1935/36 der Schule der Deutschen Arbeitsfront

Die Kammertätigkeit unter NS-Einfluss

Während der NS-Zeit präsentieren sich die Kammern öffentlich durch Propagandamaßnahmen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für den Nationalsozialismus zu gewinnen. Außerdem wird die „Erziehungsarbeit im nationalsozialistischen Sinne“ zum neuen Schwerpunkt der Kammerarbeit. Politisch haben die Kammern hingegen keinen Einfluss mehr: Ihre noch verbleibenden politischen Aktivitäten wandeln sich zu einer reinen Beziehungsarbeit zum Behörden- und Regierungsapparat der Nationalsozialisten.

Am 6. Mai 1935 veranlasst der Regierende Bürgermeister Heider die Liquidierung der Kammern. Ihre Auflösung ist auf den 31. März 1936 datiert.

Nur wenige Wochen nach der Befreiung, am 16. Juli 1945, übernimmt Oskar Schulze wieder seine alte Stelle als Syndikus der Arbeiterkammer.

Bremer Senat in der NS-Zeit, 1933

Auflösung der Arbeitnehmerkammern, 1936

In der Folge eines Autoritätenstreits mit der neu geschaffenen und inhaltlich konkurrierenden Deutschen Arbeitsfront (DAF) werden die Arbeiter- sowie die Angestelltenkammer schließlich am 31. März 1936 aufgelöst.

Die Wiedergeburt der Kammeridee

Ich glaube, daß keine Bedenken irgendwelcher Art gegen ein Fortbestehen der Tätigkeit der Arbeiter- und Angestelltenkammer […] bestehen. Wilhelm Kaisen, Präsident des Senats, an das Büro der Militärregierung / Schreiben vom 31. Dezember 1948

Am 26. April 1945 wird Bremen von britischen Truppen befreit und damit der nationalsozialistische Terror beendet.

1945 regelt die Bremer Klausel, dass die zukünftige Enklave Bremen unter US-Kontrolle gestellt, jedoch gemäß britischer Vorschriften verwaltet wird.

Carl Wilhelm Kaisen

Die institutionelle Wiedereinrichtung der Arbeitnehmerkammern, Juli 1945

Im Juli 1945 kommt es zur Neugründung der beiden Kammern. Treibende Kräfte sind Wilhelm Kaisen, Mitglied der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus (KGF) und Senator für das Wohlfahrtswesen, sowie Oskar Schulze, ehemaliges Vorstandsmitglied der Arbeiterkammer. Bei der Arbeiterkammer verläuft der Prozess vergleichsweise reibungslos. Dagegen ist die personelle Besetzung der Angestelltenkammer mit Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband (DHV) sowie den teilweise in der KGF organisierten Mitgliedern der früheren freien Verbände und Gewerkschaften verbunden.

Am 6. Juni 1945 wird der Bremer Senat durch die US-Militärregierung wieder eingerichtet.

Schon am 12. Juli 1945 treten per Ermächtigung der Militärregierung die Gesetze zur Arbeiter- und Angestelltenkammer von vor 1933 wieder in Kraft.

Bremer Senat 1949 gemeinsam mit Charles R. Jeffs (in Uniform)

Die Kammern festigen ihren Platz und Aufgabenbereich

Bevor die Kammern sich auf ihre eigentlichen Regeltätigkeiten konzentrieren können, sind zunächst institutionelle Aspekte zu klären – auch auf politischer Ebene. Unklarheiten gibt es über finanzielle Zuschüsse aus öffentlicher Hand, zur rechtlichen Stellung der Kammern sowie über die Aufgabe der Arbeitnehmerkammern, zu Gesetzesinitiativen Stellung zu nehmen. Immer wieder werden ihnen die nötigen Unterlagen nicht oder nicht rechtzeitig zugestellt. Da diese Tätigkeit jedoch von großer Bedeutung für ihre politische Legitimation ist, bestehen die Verantwortlichen der beiden Kammern auf ihr Recht.

Am 14. Juli 1945 werden Albert Götze zum ersten Vorsitzenden, Alwin Ohse zu seinem Stellvertreter und Otto Otten zum Rechnungsführer der Arbeiterkammer ernannt.

Neuer Vorstand der Angestelltenkammer sind ab 23. September 1945 Willy Louis Hundt (Vorsitzender), Albert Reppenhagen (stv. Vorsitzender) und Heidi Mikisch (Rechnungsführerin)

Artikel im Weser-Kurier vom 18. März 1954

Erste Überlegungen zu einer Kammerfusion 1945 und 1954

Schon 1945 und 1954 gibt es erste Überlegungen einer Kammerfusion. Gründe dafür sind Kosteneinsparungen sowie die Stärkung der Allianz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen. Doch beide Male kommt die Zusammenlegung der Kammern (noch) nicht zustande. Dies liegt an den Unterschieden zwischen der eher konservativen Angestelltenschaft und den vorwiegend progressiven Kräften der Arbeiterbewegung. In politischen und gewerkschaftlichen Kreisen besteht außerdem die Befürchtung, an eine Fusion sei auch die Pflichtmitgliedschaft gekoppelt, die zu diesem Zeitpunkt abgelehnt wird.

Am 8. August 1945 wendet sich die Angestelltenkammer mit der Bitte um Finanzhilfe an Sentor Apelt, die jedoch abgelehnt wird.

Im Februar 1950 legt der Senat eine Änderung des Kammergesetzes vor. Die enthaltene freiwillige Kammermitgliedschaft schließt eine Beitragspflicht aus.

Artikel im Weser-Kurier vom 28. Juni 1956

Freiwillige oder verpflichtende Mitgliedschaft?

Die Militärregierung setzt am 10. Januar 1949 die öffentlich-rechtlichen Funktionen aller Kammern im Land Bremen außer Kraft. Dadurch verlieren die Arbeiter- und die Angestelltenkammer das Recht, Mitgliedsbeiträge einzuziehen. Wilhelm Kaisen setzt sich für sie ein, indem er gegenüber der Militärregierung auf die besondere Stellung der Kammern hinweist. Zunächst wird jedoch 1950 die freiwillige Zugehörigkeit ohne Beitragspflicht gesetzlich verankert. Erst 1956 kommt es zu einem neuem Arbeitnehmerkammergesetz, in dem die Beitragspflicht festgelegt wird.

Am 1. Januar 1953 beendet Oskar Schulze, langjähriger Syndikus der Arbeiterkammer, seine Tätigkeit und wird in den Ruhestand versetzt.

Artikel im Weser-Kurier vom 12. Mai 1956

Beschluss der neuen Kammergesetze

Neben der Diskussion um verpflichtende oder freiwillige Mitgliedsbeiträge wird auch die grundsätzliche Daseinsberechtigung der beiden Kammern thematisiert. Es geht dabei auch um ihre Abgrenzung zu den Gewerkschaften. Ab Juni 1956 wird in der Bürgerschaft das neue Kammergesetz diskutiert. Am 28. Juni 1956 verkündet der Senat das neue Kammergesetz, in dem unter anderem auch die Beitragspflicht festgelegt wird.

Ein Stück soziale Gerechtigkeit

Die Kammeridee in der bremischen Gesellschaft

1964 richtet die Arbeiterkammer eine eigene Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein.

1970 eröffnet die Angestelltenkammer ihre Nebenstelle in Bremen-Nord.

Demonstration gegen die Schließung der AG Weser, 2. September 1983

Das Wirken der Kammer in der bremischen Gesellschaft

Auf der Grundlage des Arbeitnehmerkammergesetzes von 1956 beginnen die Arbeiter- und die Angestelltenkammer mit ihrer Tätigkeit. Ihre Arbeit ist geprägt von wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit. Dazu gehören unter anderem die Anwerbung von „Gastarbeiterinnen” und „Gastarbeitern” ab Mitte der 1960er Jahre, Maßnahmen infolge des Strukturwandels und der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre sowie der daraus resultierenden zunehmenden Arbeitslosigkeit in den 1980er Jahren (im Foto: Werftenkrise, 1983).

Die Tagung „Sicherheit am Arbeitsplatz“ im Mai 1973 stellt den offiziellen Forschungsauftakt der Kooperationsstelle Universität Arbeiterkammer dar.

In Bad Zwischenahn befindet sich ab 1975 die Bildungs- und Freizeitstätte der Angestelltenkammer, wo viele Bildungsurlaube durchgeführt werden.

Sogenanntes Gastarbeiter-Heim der Vulkan-Werft in Bremen-Aumund

Integration und Gleichstellung von „Gastarbeiterinnen“ und „Gastarbeitern“, ab Mitte der 1960er Jahre

Ab Mitte der 1960er Jahre setzen sich die Arbeiter- und die Angestelltenkammer auf vielfältige Weise für die Einbindung und Gleichstellung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Familien ein. Dabei nimmt sich die Arbeiterkammer verstärkt griechischer „Gastarbeiterinnen” und „-arbeitern” an. Hannelore Protopapas gilt in den 1960er Jahren als „Mutter der Gastarbeiter“. Was mit Hilfestellungen im privaten Bereich beginnt, entwickelt sich für die hilfsbereite Bremerin zu einer festen Anstellung in der Arbeiterkammer.

Basierend auf dem Gesetzesentwurf der beiden Kammern von 1972 tritt am 1. Januar 1975 das Bremische Bildungsurlaubsgesetz in Kraft.

Im Februar 1975 wird die Wirtschafts- und Sozialakademie (wisoak) in der Bertha-von-Suttner-Straße eingeweiht, wo sie auch heute noch ihren Sitz hat.

Weiterbildungsstätte der Angestelltenkammer in Bad Zwischenahn

Die Etablierung des Bildungsurlaubs

Mit großer Beharrlichkeit setzen sich die Arbeiter- und Angestelltenkammer ab Anfang der 1960er Jahre für die gesetzliche Verankerung des Anspruchs auf „Bildungsurlaub“ (ab 2017: „Bildungszeit“) ein. Lokal wie überregional werden sie zu wichtigen Akteurinnen, die die Inhalte des Gesetzes maßgeblich mitbestimmen. Nach der Einführung des Bremischen Bildungsurlaubsgesetzes 1975 werden die Kammern innerhalb Bremens die größten Anbieterinnen von politischen und beruflichen Bildungsurlaubsangeboten.

Mit insgesamt 550 Angeboten deckt allein die Angestelltenkammer 1979 rund 40 Prozent der Bildungsurlaubsangebote ab.

Ende der 1970er Jahre schaffen die Arbeiter- und die Angestelltenkammer im Bereich der politischen Bildung den Themenschwerpunkt „Frauen im Beruf“.

Universität Bremen, 1975

Öffnung der Universität für die Arbeitswelt

Am 27. Juli 1971 unterzeichnen Arbeiterkammer und Universität den Kooperationsvertrag. Dahinter steht die Idee, in einer gleichberechtigten gegenseitigen Zusammenarbeit, Forschung und Lehre in den Dienst der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stellen. Universität und Arbeiterkammer vereinbaren, gemeinsam arbeitsweltbezogene Forschung, Wissenschaftstransfer in die Arbeitswelt und Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anzubieten.

In Bremen führen Ende der 1970er Jahre vor allem die Krisen im Schiffbau und der Stahlproduktion zu einer steigenden Zahl von Erwerbslosen.

Im Kampf gegen Arbeitslosigkeit appellieren beide Kammern 1982 an den Bremer Senat und die Bundesregierung. Sie fordern Beschäftigungsprogramme und Arbeitszeitverkürzungen.

Flyer zur Rechtsberatung der Arbeiterkammer

Ein Stück soziale Gerechtigkeit: Die öffentliche Rechtsberatung

1975 überträgt die Bremer SPD-Regierung beiden Kammern die Aufgabe einer öffentlichen Rechtsberatung. Ziel ist es, sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen eine kostenlose juristische Beratung anzubieten. Ungeachtet der Kritik der Oppositionsparteien CDU und FDP wird das Angebot von Ratsuchenden sehr gut angenommen. Die meisten Fälle betreffen Streitigkeiten im Schuldrecht, z. B. Maklerverträge, Darlehen und Bürgschaften, Auseinandersetzungen im Bereich des Mietrechts sowie Ehe- und Familienstreitigkeiten.

Am 1. September 1975 starten beide Kammern mit der öffentlichen Rechtsberatung, um auch sozial schwächeren Bevölkerungskreisen juristischen Rat zu bieten.

In Kooperation mit dem DGB richtet die Arbeiterkammer im Dezember 1983 eine Arbeitslosenberatungs- und Betreuungsstelle im Gewerkschaftshaus ein.

Die Jugenderwerbslosigkeit erreicht 1983 einen Höchststand von bundesweit rund 623.300 Arbeitslosen unter 25 Jahre.

Hilfe zur Selbsthilfe – „Arbeitslosenmobil“ vor dem Arbeitsamt Bremen am 3. Juni 1983

Gezielte Maßnahmen für (jugendliche) Erwerbslose

Durch das Inkrafttreten des deutschen Arbeitsförderungsgesetzes (AFG) am 1. Juli 1969 werden berufliche Weiterbildungsangebote speziell auch für Erwerbslose geschaffen. Ziel ist es nicht nur, Beratungen und themenbezogene Informationen für Erwerbslose anzubieten. Sie sollen zudem zur politischen Meinungsbildung angeregt und in Überlegungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze eingebunden werden.

Im Oktober 1983 beschließt die Angestelltenkammer die Gründung der Berufs-Bildungs-Institut GmbH (BBI) als hundertprozentige Tochtergesellschaft.

1987 ermöglicht die Angestelltenkammer 24 Türkinnen eine Ausbildung zur Arzthelferin oder Anwaltsgehilfin – Berufe, zu denen diese Bevölkerungsgruppe bislang kaum Zugang hatte.

Die Idee unter einem Dach

Ich bin heilfroh, dass im Saarland und in Bremen die Arbeitnehmerinteressen durch ein solches Verfassungsorgan praktisch wahrgenommen werden. Detmar Leo, SPD, MdBB - Bürgerschaftssitzung am 23. März 2000

Anfang 1996 fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, „mehr Demokratie, Transparenz, Effizienz und Wirtschaftlichkeit in der Arbeit von Arbeitnehmerkammern“.

Artikel im Weser-Kurier vom Juli 1994

Öffentliche Kritik führt zur Prüfung durch den Rechnungshof, 1995-1997

Nach politischer und öffentlicher Kritik im Frühjahr 1995 prüft der Rechnungshof der Freien Hansestadt Bremen die Haushalts- und Wirtschaftsführung von Arbeiter- und Angestelltenkammer. Die beiden Kammern sind gefordert, Umstrukturierungen vorzunehmen. 1997 diskutieren Arbeiter- und Angestelltenkammer daraufhin über Kooperationsmöglichkeiten. Während die Arbeiterkammer sich dafür ausspricht, schließt die Angestelltenkammer eine sofortige Fusion der beiden Kammern aus.

Im Januar 2001 erscheint die erste Ausgabe des Bremer Arbeitnehmer Magazins (BAM). Themenschwerpunkt des Heftes: die Spar- und Sanierungspolitik.

Am 1. November 2001 das Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) gegründet. Leiter wird Rudolf Hickel. Es löst den Kooperationsbereich Universität Arbeiterkammer (KUA) ab.

Hans-Ludwig Endl (o.) und Heinz Möller vertreten die Arbeitnehmerkammer nach ihrer Fusion 2001 als gleichberechtigte Hauptgeschäftsführer

Kammerfusion im Januar 2001

Der nicht ausgeglichene Haushalt der Kammern sowie die in Teilen fragwürdige Ausweitung ihrer Aufgabenfelder setzt die Kammern erneut unter Reformdruck. Am 01. Januar 2001 fusionieren die Angestellten- und die Arbeiterkammer schließlich zur gemeinsamen Arbeitnehmerkammer. Die ehemaligen Hauptgeschäftsführer der Arbeiterkammer Heinz Möller und der Angestelltenkammer Hans-Ludwig Endl übernehmen als gleichgestellte Partner die Geschäftsführung; die neue präsidiale Doppelspitze bilden Irmtrud Gläser (ehem. Angestelltenkammer) und Manfred Siebert (ehem. Arbeiterkammer).

Zum 01.07.2010 übernimmt Ingo Schierenbeck das Amt des Hauptgeschäftsführers.

Infoblatt über die Beratung zu Berufskrankeiten

Weitere Ausweitung des Beratungsangebots, ab 2011

Die inhaltliche Ausrichtung der Arbeitnehmerkammer ist nach der Fusion durch die Weiterentwicklung ihres Dienstleistungsangebots geprägt. Die im Juli 2011 von der Kammer übernommene Bremer Beratungsstelle für Berufskrankheiten in Bremen-Nord wird 2012 zunächst verlängert und 2014 schließlich als Daueraufgabe verstetigt. Ab August 2015 leistet die Anerkennungsberatung direkte Unterstützung für alle Neu-Bremerinnen und Neu-Bremer – ein Angebot, das durch die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Häfen finanziert wird. Im Jahr 2019 erweitert die Kammer ihr Beratungsportfolio um die Weiterbildungsberatung.

Seit April 2011 ist Elke Heyduck Vertreterin des Hauptgeschäftsführers. Gemeinsam mit Ingo Schierenbeck führt sie die Kammer in das Jubiläumsjahr 2021.

Gebäude der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven

Neubau der Geschäftsstelle Bremerhaven, 2012

Am 3. September 2012 wird der Grundstein für den Neubau der Geschäftsstelle Bremerhaven in der Barkhausenstraße 16 direkt am Neuen Hafen gelegt. Außerdem sind hier die Dependancen der Wirtschafts- und Sozialakademie (Wisoak) und der Verbraucherzentrale Bremen e.V. als ein wichtiger Kooperationspartner der Arbeitnehmerkammer untergebracht.

Seit 2016 unterstützt die Arbeitnehmerkammer das Projekt „Ausbildung – Bleib dran!“, das Beratung bei Konflikten im Ausbildungsverhältnis bietet.

Im Rahmen der Entwicklung eines Zukunftskonzeptes für Bremen setzt sich die Arbeitnehmerkammer für die Entwicklung eines „Masterplans Dienstleistungen“ ein

Neue Wege in der Politikberatung: Der Masterplan Dienstleitungen

Als erste politische Institution Bremens fordert die Arbeitnehmerkammer im März 2015 einen Masterplan Dienstleistungen. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Beschäftigten in diesem Sektor zu verbessern sowie zukunftsfähige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Durch das beständige Engagement der Kammer wird dieser Vorschlag 2018 auf die politische Agenda gesetzt und Anfang 2019 dessen Ausarbeitung beschlossen. Nach der Bürgerschaftswahl im gleichen Jahr wird er als „Masterplan Innovation und Dienstleistung“ in den Koalitionsvertrag aufgenommen.

1880er – 1920er

Der Aufstieg einer Idee

Mit dem Ziel, eine gleichberechtigte Stimme für die Arbeiterschaft zu schaffen und die bestehende Kammerlandschaft zu vervollständigen, bringt der Sozialdemokrat Erich Sanders 1888 den ersten Antrag zur Gründung einer Arbeiterkammer ein. Doch wird diese noch über Jahre durch unterschiedliche parteipolitische Interessen und Vorbehalte, vor allem hinsichtlich einer politischen Mobilisierung und eines Erstarkens revolutionärer Kräfte der Arbeiterschaft, verzögert.

Einen ersten Schritt in Richtung Kammergründung stellt 1899 das Bremer Arbeitersekretariat dar, das 1900 unter der Leitung von Friedrich Ebert seine Arbeit aufnimmt. Zu seinen Aufgaben gehören die sozialpolitische Beratung, die Durchführung von Studien zur Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter in Bremen sowie Politikempfehlungen. Politische Gleichberechtigung der Arbeiterschaft ist damit jedoch noch nicht erreicht.

Als Abgeordneter der Bürgerschaft stellt Ebert 1901 erneut einen Antrag zur Gründung einer Arbeiterkammer – diesmal bereits mit konkreten Vorstellungen zum Arbeitsfeld sowie der personellen Zusammensetzung. Damit schafft Ebert die inhaltliche und organisatorische Grundlage für die Arbeiterkammer, wie sie 20 Jahre später gegründet wird.

Im Kampf der Bevölkerung für mehr Mitbestimmungsrechte und bessere Lebensbedingungen kommt es in Bremen ab 1903 immer wieder zu teils heftigen Streikbewegungen der Arbeiterschaft. Vor allem die katastrophalen Lebensbedingungen (unter anderem als Folge des Ersten Weltkriegs) sind Grund für die Forderung nach sozialen Veränderungen. Einen Höhepunkt stellen schließlich die Streikbewegungen 1918/1919 dar.

Die Sozialdemokraten nehmen den Druck der Straße zum Anlass, die Debatte um die Errichtung einer Angestellten- und einer Arbeiterkammer auf politischer Ebene weiterzuführen. Sie argumentieren für eine öffentlich-rechtliche Interessenvertretung der Arbeiterschaft – auch, um die streikwillige Arbeiterschaft dadurch zu besänftigen.

Trotz der instabilen politischen Lage kommt es 1919 zum Entwurf einer Bremer Verfassung, in den erstmals auch eine Angestellten- und eine Arbeiterkammer aufgenommen werden. Mit dem Verfassungsbeschluss ist der Weg für die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung beider Kammern bereitet. Im Kammergesetz finden sich Angaben zu ihrer Zusammensetzung, ihren Aufgaben, ihrer Finanzierung und zum Kammerwahlrecht. Der Ausschluss eines politischen Auftrags der Kammern wird zur Streitfrage. Am 8. Juli 1921 wird das Gesetz für die Angestellten- und die Arbeiterkammer schließlich verabschiedet.

1920er – 1930er

Von der Idee zur Tat

Mit dem Beschluss des Arbeiter- und Angestelltenkammergesetzes durch die Bürgerschaft wird am 8. Juli 1921 die gesetzliche Grundlage für die Arbeiter- und die Angestelltenkammer geschaffen. Ein gutes halbes Jahr später wird in konstituierenden Sitzungen ihre jeweilige institutionelle Organisation in Form von Vollversammlung, Fachausschüssen und Kammerbüro festgelegt.

Bevor die Arbeiter- und die Angestelltenkammer sich ihren eigentlichen Regeltätigkeiten widmen können, gilt es, sich Fragen der Finanzierung über staatliche Zuschüsse und Beitragsfinanzierung sowie der institutionellen Selbstbehauptung zu widmen. Auf dem politischen Parkett sind die Kammern zwar geduldet, doch versucht man, ihnen so wenig Einflussnahme wie möglich zu gestatten. Exemplarische Beispiele hierfür sind die gutachterlichen Tätigkeiten der Kammern zum Vergleich der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Bremen und Hamburg 1922 sowie zur Mietpreisverordnung 1924. Mit Beharrlichkeit sowie (meist notgedrungener) Kompromissbereitschaft gewinnen die Kammern in den Jahren der Krisen und Streitigkeiten an Profil. Die Phase zwischen 1921 und 1925 muss daher als prägend für die Kammern, ihre Arbeit, ihr Selbstverständnis sowie für ihre Außenwirkung betrachtet werden.

Nach ihrer Konstituierungsphase können die Kammern zwischen 1925 und 1929 ihre Regeltätigkeiten aufnehmen. Hierzu gehören vor allem gutachterliche Tätigkeiten und Eingaben zu den Themen Arbeitslosenfürsorge, Arbeitszeitregelungen und Arbeitsschutz, die in den Fachausschüssen ausgearbeitet werden. Darüber hinaus ist vor allem die Arbeiterkammer in der Rechtsberatung, zum Beispiel zu Themen wie Lehrlingsschutz oder Rentenansprüche, sehr aktiv. Der Bereich der Bildungsarbeit beider Arbeitnehmerkammern umfasst vornehmlich wissenschaftliche Fachvorträge zu sozialen und wirtschaftlichen Themen, ebenso wie Führungen und Besichtigungen sowie die Einrichtung von kammereigenen Bibliotheken. Die Auslandsschule der Angestelltenkammer bietet Weiterbildungen zu Sprachen, Wirtschafts- und Gesellschaftsverhältnissen der Länder, mit denen Bremen Handelsbeziehungen unterhält.

Durch die stark ansteigende Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und den daraus folgenden fehlenden Beitragszahlungen stellt sich den Kammern abermals die Frage der Finanzierung. Gleichzeitig veranlasst die Verschlechterung der sozialen Lage in Bremen die Arbeitnehmerkammern dazu, neben Rechtsberatung sowie beruflicher Umschulung und Weiterbildung von Betroffenen, vermehrt finanzielle Hilfeleistungen bereitzustellen.

Mit dem beginnenden Niedergang der Demokratie und der zunehmenden politischen Instabilität in den Jahren 1931 und 1932 verlieren die Kammern die politische und gesellschaftliche Grundlage ihres Handelns. Die kurze Phase, in der die Kammern ohne Existenzkämpfe ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können, endet schließlich 1933 mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten.

1930er

Die Idee wird zerstört

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 hat auch weitreichende Folgen für die Arbeiter- und die Angestelltenkammer in Bremen. Zügig werden beide Institutionen anhand eines Gesinnungsprotokolls auf unliebsame Personen durchleuchtet und diese aus dem Dienst entfernt. Die frei gewordenen Stellen werden anschließend mit linientreuem Personal besetzt. Für die Angestelltenkammer ernennen die Nationalsozialisten Karl Westermann zum geschäftsführenden Syndikus, in der Arbeiterkammer übernimmt August Hogrefe diese Position.

Unter neuer Leitung werden Arbeiter- und Angestelltenkammer sowohl personell als auch inhaltlich rasch entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie umstrukturiert. Dies manifestiert sich auch in den bereits im September 1933 neu erlassenen Kammergesetzen, durch die ein hierarchisch angelegtes Herrschaftsprinzip eingeführt wird. Die Zugehörigkeit zur NSDAP ist nun Grundvoraussetzung, um in einer der beiden Kammern wirken zu können.

Hauptakteur der Arbeiterkammer in dieser Zeit ist August Hogrefe. Angeblich, um die NSDAP von innen zu zersetzen, trat er 1930 der Partei bei und machte dort rasch Karriere. In seiner Tätigkeit als geschäftsführender Syndikus und späterer Präsident der Arbeiterkammer fällt er jedoch vor allem durch seine starke Linientreue, großen Diensteifer und antisemitische Reden auf. Nach Ende des Krieges werfen ihm daher ehemalige Weggefährtinnen und -gefährten Opportunismus, Menschenfeindlichkeit und persönliche Vorteilsnahme vor. Aber es gibt auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die seine Widerstandsgeschichte bestätigen. Und so wird Hogrefe 1948 aufgrund seiner Rolle im NS-Apparat angeklagt, schlussendlich jedoch von der VI. Berufungskammer in Bremen freigesprochen.

Die neue nationalsozialistische Führung nimmt auch Einfluss auf die inhaltliche Arbeit der Kammern. Neben dem Anliegen, sich durch Propagandamaßnahmen öffentlich zu präsentieren und dadurch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für den Nationalsozialismus zu gewinnen, avanciert die „Erziehungsarbeit im nationalsozialistischen Sinne“ zum neuen Schwerpunkt der Kammerarbeit. Politisch haben die Kammern hingegen keinen Einfluss mehr: Ihre noch verbleibenden politischen Aktivitäten wandeln sich zu einer reinen Beziehungsarbeit zum Behörden- und Regierungsapparat der Nationalsozialisten. In der Folge eines Autoritätenstreits mit der neu geschaffenen und inhaltlich konkurrierenden Deutschen Arbeitsfront (DAF) werden die Arbeiter- sowie die Angestelltenkammer schließlich am 31. März 1936 aufgelöst.

1940er – 1950er

Die Wiedergeburt der Kammeridee

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernimmt in Bremen die amerikanische Militärregierung die Regierungsverantwortung. Neben dem strukturellen Wiederaufbau geht es im Rahmen der politischen Neuordnung auch um die Wiedererrichtung der Kammern und Interessenvertretungen für Angestellte sowie Arbeiterinnen und Arbeiter. Eine besondere Rolle nimmt in diesem Zusammenhang die zivilgesellschaftliche Organisation Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus (KGF) ein. Sie bildet in der ersten Nachkriegszeit das zivilgesellschaftliche politische Zentrum in Bremen. Von den Siegermächten geduldet, begleitet sie den Prozess des strukturellen Wiederaufbaus und der Verwaltungsorganisation der Stadt. Sie ist es, die die Militärregierung dazu drängt, die gewerkschaftlichen Organisationen und Kammervertretungen der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellten wieder zuzulassen.

Bereits im Sommer 1945 kommt es daraufhin zur Neugründung der beiden Arbeitnehmerkammern. Während die Wiedergründung der Arbeiterkammer im Juli 1945 vergleichsweise reibungslos verläuft, ist die personelle Besetzung des Vorstands und der Vollversammlung bei der Angestelltenkammer mit Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem konservativ-rechts orientierten Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband (DHV) sowie den teilweise in der KGF organisierten Mitgliedern der früheren freien Verbände und Gewerkschaften verbunden. Es ist vor allem dem Eingreifen und Engagement von Wilhelm Kaisen zu verdanken, dass die Neugründung der Angestelltenkammer dennoch vergleichsweise rasch gelingt.

Bevor die Kammern sich auf ihre eigentlichen Regeltätigkeiten konzentrieren können, sind zunächst institutionelle Aspekte zu klären – auch auf politischer Ebene. Neben der Frage nach finanziellen Zuschüssen aus öffentlicher Hand gibt es auch Unklarheiten über die Aufgabe der Arbeitnehmerkammern, zu Gesetzesinitiativen Stellung zu nehmen. Immer wieder werden ihnen die nötigen Unterlagen nicht oder nicht rechtzeitig zugestellt. Hinzu kommen Diskussionen über die rechtliche Stellung der Kammern.

Bereits im Juli 1945 gibt es zudem erste Überlegungen einer Kammerfusion. Hintergrund der Idee sind zunächst generelle Kosteneinsparungen sowie die Bildung einer stärkeren Allianz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 1954 gibt es erneut Bestrebungen zur Vereinheitlichung der Kammern. Doch beide Male kommt die Zusammenlegung der Kammern (noch) nicht zustande, da aus politischen und gewerkschaftlichen Kreisen unter anderem die Befürchtung besteht, an eine Fusion sei die Idee einer Zwangsmitgliedschaft gekoppelt, die zu diesem Zeitpunkt abgelehnt wird.

Vor allem die Frage, ob die Kammermitgliedschaft und damit die Beitragszahlungen freiwillig oder verpflichtend sein sollen, bestimmt den Diskurs dieser Zeit. Als verpflichtende Mitgliedsbeiträge im Rahmen struktureller Neuregelungen durch eine Verordnung der Militärregierung erneut infrage gestellt werden, setzt sich der Präsident des Senats Wilhelm Kaisen für die Interessen der beiden Arbeitnehmerkammern ein. Gegen den Willen des Senats und der Kammern selbst wird jedoch 1950 die freiwillige Zugehörigkeit gesetzlich verankert. Erst im Jahr 1956 kommt es schließlich zu einem neuen Arbeitnehmerkammergesetz, in dem die Mitglieds- und Beitragspflicht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen festgelegt wird.

1960er – 2000er

Ein Stück soziale Gerechtigkeit

Auf der Grundlage des Arbeitnehmerkammergesetzes von 1956 beginnen die Arbeiter- und die Angestelltenkammer mit ihrer Tätigkeit. In den Jahren bis zu ihrer Fusion 2001 gelangen beide Kammern durch ihre jeweiligen wie auch gemeinsamen Aktivitäten in die öffentliche Wahrnehmung.

Vor allem im Bereich der beruflichen und politischen Weiterbildung nehmen Arbeiter- und Angestelltenkammer eine dominierende Position in Bremens Bildungslandschaft ein. Eine Vielzahl von eigenen Bildungseinrichtungen dient dazu, Kurse, Seminare und Lehrgänge für unterschiedliche Bildungsformate und Zielgruppen anzubieten. Dabei werden die Angebote inhaltlich auf die jeweiligen Entwicklungen des Arbeitsmarkts oder der Gesellschaft ausgerichtet. Ein Beispiel sind spezielle Angebote für Arbeitslose in den 1970er-Jahren sowie ab Anfang der 1980er-Jahre auch für arbeitslose Jugendliche.

Mit großer Beharrlichkeit setzen sich die Arbeiter- und die Angestelltenkammer ab Anfang der 1960er-Jahre für die gesetzliche Verankerung des Anspruchs auf Bildungsurlaub ein. Lokal wie überregional werden sie zu wichtigen Akteurinnen, die die Inhalte des Gesetzes maßgeblich mitbestimmen. Nach der Einführung des Bremischen Bildungsurlaubsgesetzes 1975 werden die Kammern innerhalb Bremens die größten Anbieter von Bildungsurlaubsangeboten.

Durch viele unterschiedliche Initiativen nehmen sich Arbeiter- und Angestelltenkammer auch der Aufgabe zur beruflichen und sozialen Integration ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bremen an. Eine Vielzahl von Beratungs-, Weiterbildungs- und Freizeitangeboten soll ihnen und ihren Familien dabei helfen, sich in Bremen zu Hause zu fühlen.

1975 überträgt die zu dieser Zeit in Bremen regierende SPD beiden Kammern die Aufgabe einer öffentlichen Rechtsberatung in Bremen. Ziel ist es, sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen eine kostenlose juristische Beratung anzubieten. Unabhängig von der bestehenden Kritik der Oppositionsparteien CDU und FDP wird das Angebot sehr gut angenommen. Die meisten Fälle betreffen Streitigkeiten im Schuldrecht, zum Beispiel Maklerverträge, Darlehen und Bürgschaften, Auseinandersetzungen im Bereich des Mietrechts sowie Ehe- und Familienstreitigkeiten.

Im Rahmen des Kooperationsvertrags mit der Universität Bremen führt die Arbeiterkammer ab 1971 zahlreiche Forschungsaktivitäten, wie Studien und Tagungen, im Bereich Gesundheits- und Arbeitsschutz durch. Ziel ist die enge Verzahnung von wissenschaftlich basierten Erkenntnissen und möglichst unmittelbarer praktischer Anwendbarkeit.

Anhand der vielfältigen Aktivitäten der Arbeiter- und der Angestelltenkammer wird deutlich, dass die im Kammergesetz festgeschriebenen Tätigkeitsbereiche in der praktischen Umsetzung oftmals ineinandergreifen. Ihren vielseitigen Einsatz für die Belange von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Angestellten verfolgen die beiden Arbeitnehmerkammern als ganzheitlichen Ansatz, nach dem Verständnis, beruflicher Aufstieg gehe einher mit sozialer Integration. Und geprägt von wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit, werden die Bedarfe des Arbeitsmarktes im Bereich der Weiterbildung anhand von selbst durchgeführten wissenschaftlichen Studien gestützt und auf die politische Agenda gesetzt.

2000er

Die Idee unter einem Dach

Am 1. Januar 2001 fusionieren die Angestellten- und die Arbeiterkammer im Land Bremen zur gemeinsamen Arbeitnehmerkammer. Frühere Bemühungen in diese Richtung in den 1920er-Jahren sowie Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre scheitern am Widerstand der Angestelltenkammer und der beteiligten Gewerkschaften. Dass es Anfang der 2000er-Jahre dann doch zu einer Fusion kommt, erklärt sich einerseits durch die Zusammenlegung von DAG und DGB-Gewerkschaften zu ver.di, wodurch sich die Konkurrenz zwischen DAG und DGB auflöst. Andererseits wird zu dieser Zeit politischer Druck auf beide Kammern ausgeübt. Die Gründe hierfür sind vor allem ein nicht ausgeglichener Haushalt der Arbeiter- und Angestelltenkammer sowie eine in Teilen fragwürdige Ausweitung und Ausgestaltung ihrer Aufgabenfelder. Nach einer Prüfung durch den Landesrechnungshof wächst der politische und öffentliche Druck auf die Aufsichtsorgane der Arbeitnehmerkammern, eine Reform der Institutionen durch eine Veränderung der Kammergesetze herbeizuführen.

Um die strukturellen Probleme der Arbeitnehmerkammern nachhaltig zu lösen, unterbreitet die Arbeiterkammer im Mai 1997 den Vorschlag einer Kammerfusion. Die Angestelltenkammer spricht sich zwar für eine engere Kooperation, nicht aber für eine Zusammenlegung aus. Auf politischer Ebene werden die Kooperationsvereinbarungen der beiden Kammern als erster Schritt in Richtung Fusion betrachtet. Die Kammern selbst und auch die Gewerkschaften schließen sich 1998 dieser Sichtweise an. Am 16. Juni 1999 beschließen beide Kammern ihre Fusion, die zum 1. Januar 2001 in Kraft tritt. Die ehemaligen Hauptgeschäftsführer der Arbeiterkammer, Heinz Möller, und der Angestelltenkammer, Hans-Ludwig Endl, übernehmen als gleichgestellte Partner die Geschäftsführung; die neue präsidiale Doppelspitze bilden Irmtrud Gläser (ehem. Angestelltenkammer) und Manfred Siebert (ehem. Arbeiterkammer). Prägend für die inhaltliche Ausrichtung der Arbeitnehmerkammer ist nach der Fusion vor allem die Weiterentwicklung ihres Dienstleistungsangebots. Beispiele sind die am 1. Juli 2011 durch die Arbeitnehmerkammer übernommene Bremer Beratungsstelle für Berufskrankheiten, die 2014 schließlich als Daueraufgabe verstetigt wird. Mit der im August 2015 beginnenden Trägerschaft der durch den Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen finanzierten Anerkennungsberatung richtet sich die Arbeitnehmerkammer an Neu-Bremerinnen und -Bremer. Im Jahr 2019 erweitert sie erneut ihr Beratungsportfolio und ergänzt ihr Angebot um die Weiterbildungsberatung.

Auch auf der Ebene der Politikberatung setzt die Arbeitnehmerkammer neue Impulse. So fordert sie im März 2015 die Einrichtung eines „Masterplans Dienstleistungen“. Erklärtes Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Beschäftigten in diesem Sektor zu verbessern sowie zukunftsfähige Beschäftigungsverhältnisse für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schaffen. Durch das beständige Engagement der Arbeitnehmerkammer wird dieser Vorschlag 2018 auf die politische Agenda gesetzt und interfraktionell diskutiert. Anfang 2019 beschließt die Bremer Bürgerschaft schließlich einstimmig die Ausarbeitung eines „Masterplans Dienstleistungen“. Dieser wird nach der Bürgerschaftswahl im gleichen Jahr als „Masterplan Innovation und Dienstleistungen“ auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen.